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Vergessene Konzepte: Der rollende Friseursalon im InterCity

Historisches Foto oder Grafik eines Friseursalons in einem InterCity Zug der Deutschen Bundesbahn

Symbolbild: COIFFO / Canva

Ein Friseurbesuch erfordert in der Regel Zeit eine Ressource, die besonders auf Reisen knapp ist. Im Jahr 1989 gab es noch keine ICEs. Bahnfahrten dauerten entsprechend länger. Um den werten, effizienzorientierten Kundinnen und Kunden dennoch eine Zeitersparnis zu bieten, führte die Deutsche Bundesbahn einen neuen Service ein: den rollenden Friseursalon. Ein Konzept, das das Bahnfahren mit inklusivem Haareschneiden verband. Ein historischer Beitrag des ARD Archivradios vom 2. Mai 1989 erinnert an dieses ungewöhnliche Kapitel der Dienstleistungsgeschichte.

Haareschneiden bei 160 Stundenkilometern

Der Service startete unter anderem auf der Strecke ab Stuttgart im InterCity „Toller Bomberg“. Während der Zug mit 160 Stundenkilometern über die Schienen glitt, boten Friseurinnen hinter einem Vorhang, der vor neugierigen Blicken schützte, ihre handwerklichen Dienstleistungen an.

Die Rahmenbedingungen in einem fahrenden Zug erforderten jedoch besondere Vorkehrungen und Anpassungen im Arbeitsablauf:

  • Um bei dem permanenten Rütteln des Zuges standfest zu bleiben, mussten die Friseurinnen sich beim Schneiden oftmals breitbeinig aufstellen und am Stuhl anlehnen.
  • Aufgrund der hohen Verletzungsgefahr bei unvorhergesehenen Bremsmanövern des Zuges war das Rasieren an Bord strikt verboten.
  • Auch auf Lockenwickler wurde komplett verzichtet; das handwerkliche Angebot beschränkte sich auf zügiges Waschen, Schneiden und Föhnen, um die exakte Bearbeitungszeit bis zum Ausstieg garantieren zu können.
  • Für den Fall, dass es durch eine Notbremsung doch zu einem Unfall mit der Schere kommen sollte, verfügte der Salon über eine umfassende Haftpflichtversicherung, die die Fahrgäste absicherte.

Zwischen Skepsis und Reisekomfort

Die Reaktionen der Fahrgäste auf den IC-Salon fielen sehr unterschiedlich aus. Während einige Reisende dem Angebot skeptisch gegenüberstanden und den Friseurbesuch lieber in die vertraute Umgebung ihrer Heimatstadt verlegten, zeigten sich andere begeistert von der effizienten Nutzung der Reisezeit. Besonders Urlauber und Geschäftsreisende, die direkt vom Zug zum Flughafen wechseln mussten, schätzten die Möglichkeit, frisch frisiert an ihrem Zielort anzukommen.

Doch trotz der innovativen Grundidee und vereinzelter Stammkunden war dem Projekt kein langfristiger Erfolg vergönnt. Das neue Angebot erweist sich als unrentabel und wird bald wieder eingestellt. Heute bleibt der rollende Friseursalon eine faszinierende Randnotiz in der Geschichte des deutschen Friseurhandwerks.

Quellenhinweis & Transparenz: Dieser historische Rückblick basiert auf Original-Tonaufnahmen und Berichten des Süddeutschen Rundfunks vom 2. Mai 1989. Die Informationen und Zitate entstammen einer historischen Aufarbeitung des ARD Archivradios, die über das Portal SWR Kultur zur Verfügung gestellt wurde.