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„Völliger Egoismus“ am Stuhl: Warum Top-Stylist Niklas ganz bewusst polarisiert

Mr Cremerius - Niklas Cremerius im Intervie mit COIFFO

Foto: Frau Malo Fotografie

Wer in einer Modemetropole wie Düsseldorf ganz nach oben will, darf nicht in der Masse mitschwimmen. Man muss Kante zeigen. Niklas gehört zu den Kreativen der Branche, die das verstanden haben. Für die Launch-Ausgabe von COIFFO spricht er über den Puls der Großstadt, radikale Authentizität als Erfolgsgeheimnis und warum wahrer Luxus im Salon heute vor allem eines bedeutet: absolute Ruhe.

Düsseldorf schläft nicht. Die Stadt pulsiert, treibt an und fordert heraus. Wer hier als Friseur arbeitet, spürt den hohen Anspruch der Kundschaft jeden Tag. Für Niklas ist genau das der perfekte Treibstoff: „Die Kundinnen haben einen enormen Anspruch an sich selbst und eben auch an uns. Das motiviert mich, immer das Beste aus mir und meinem Gegenüber rauszuholen“, erklärt er.

Gleichzeitig findet er klare Worte für Kollegen, die sich auf alten Erfolgen ausruhen. In einer schnelllebigen Modewelt sei Stillstand der sichere Untergang. Jahrelange Erfahrung bringe einem überhaupt nichts, wenn man die Augen vor dem Neuen verschließe und Trends ignoriere. Man müsse den Puls der Zeit nicht nur spüren, sondern ihn aktiv mitgestalten.

Personal Branding: Das Konzept des gesunden Egoismus

Beim Thema Personal Branding verzichtet Niklas auf die üblichen Marketing-Floskeln. Für ihn bedeutet Marke nicht, sich stundenlang zu überlegen, wie man am besten wirkt – sondern schlichtweg authentisch zu sein. Er polarisiert ganz bewusst mit seiner Art, um exakt die Kundinnen anzuziehen, die zu ihm und seiner Vision passen.

„Im Prinzip ist es völliger Egoismus, weil mein Salon ja mich widerspiegelt“, sagt Niklas ungeschminkt.

Ein reiner Erfüllungsgehilfe für Kundenwünsche will und wird er nicht sein. Wenn die Kundin komplett allein entscheidet, würde er den ganzen Tag das Gleiche tun – für einen kreativen Geist unvorstellbar. Stattdessen versteht er sein Handwerk als Co-Kreation: Gemeinsam mit der Kundin wird ein maßgeschneidertes Konzept erarbeitet, das für beide Seiten perfekt funktioniert. Denn jede Frau, die seinen Salon verlässt, ist seine lebende Visitenkarte. Und da ist Mittelmaß für ihn keine Option: „Ich will nicht nur ‚ganz schön‘, ich will bombastisch.“ Personal Branding entsteht so ganz automatisch: Zeig dich, zeig, was du kannst, und sei exakt so, wie du bist.

Die neuen Statussymbole: Empathie, Entschleunigung und keine Doppelbedienungen

Nachdem er in vielen verschiedenen Salonkonzepten gearbeitet hat, hat Niklas eine fundamentale Erkenntnis gewonnen: Der wahre Luxus unserer Zeit liegt nicht im Prunk, sondern in der Entschleunigung. In seinem eigenen Salon setzt er daher konsequent auf Privatsphäre und absolute Ruhe.

Technisches Können ist die Pflicht, doch die Kür liegt in der Empathie. Zu spüren, wann eine Kundin das Gespräch sucht oder wann es angebracht ist, einfach mal den Mund zu halten, unterscheidet den Durchschnitt vom Top-Stylisten. Es sind die vermeintlich banalen Details – wie der Blick auf das leere Getränk oder das strukturierte Begleiten mit Fachinfos durch den Termin –, die den Unterschied machen.

Der größte und radikalste Gamechanger in seinem Business-Modell ist jedoch ein organisatorischer: Konsequent keine Doppelbedienungen. Die ungeteilte Aufmerksamkeit gehört zu einhundert Prozent der Frau auf dem Stuhl.

Die Zukunft der Branche: Die Spreu trennt sich vom Weizen

Mit Blick auf die kommenden Jahre prognostiziert Niklas eine starke Marktaufteilung. Der Trend geht unaufhaltsam in Richtung Spezialisierung – sei es durch die strikte Trennung von Damen- und Herrenfach oder den Fokus auf Kernkompetenzen.

Viel wichtiger als zu wissen, was man kann, sei in Zukunft die Selbsterkenntnis, was man nicht kann. Denn die Ansprüche der Kunden sind drastisch gestiegen. Es reicht schlichtweg nicht mehr aus, in seinem Job nur „okay“ zu sein. Tiefes fachliches Know-how ist gefragter denn je. Am Ende, so Niklas, spüren die Kunden sofort, ob jemand sein Handwerk wirklich liebt oder nur Dienst nach Vorschrift macht. Genau an dieser Leidenschaft und der Bereitschaft zur Spezialisierung wird sich in der Friseurwelt die Spreu vom Weizen trennen.